Filmreview: Up in the Air

Der Film Up in the Air ist eine Tragikomödie aus dem Jahr 2009. George Clooney in der Hauptrolle fliegt durch die USA und feuert als Ryan Bingham professionell Menschen aus ihren Jobs. Nun wirst Du dich fragen: „Was will er denn nun mit diesem alten Streifen?“, „Tragikomödie – Lustig, aber fucking awesome?“ oder „George Clooney, cool, aber was soll der Rest?“. An der Stelle komme ich dann tatsächlich ein wenig in Erklärungsnot und muss ein wenig weiter ausholen…

Daher zunächst einmal zur Handlung. Diese ist eigentlich flugs erzählt (Achtung: Spoiler!): Sie basiert auf dem Roman „Up in the Air“ (deutscher Buchtitel: Mr. Bingham sammelt Meilen). In diesem geht es darum, dass Ryan von Stadt zu Stadt jettet, um Angestellte im Auftrag zu entlassen. Dabei genießt er die Unverbindlichkeit und die Anonymität seines Lebens, das sich weitestgehend durch das Reisen ausdrückt. Er jagt dabei dem wahnwitzigen Vielflieger-Ziel von Zehn-Millionen-Meilen hinterher. Persönliche Beziehungen zu seiner eigenen Familie oder sonstigen Personen unterhält er dabei nicht, sie passen auch nicht in sein Lebenskonzept. Dies ändert sich im Verlauf durch die Zufallsbekanntschaft Alex (gespielt durch Vera Farmiga), die Hochzeit seiner Schwester und durch seine Arbeitskollegin Natalie (gespielt durch die reizende Anna Kendrick). Schlussendlich möchte Ryan aus der Unverbindlichkeit ausbrechen und fliegt spontan zu Alex, besucht diese überraschend und muss feststellen, dass sie verheiratet ist, Kinder hat und er für sie nur eine Ausflucht war. Plötzlich wird auch das Erreichen seiner Zehn-Millionen-Meilen zur Nebensächlichkeit.

Soviel zur Handlung, aber worum geht es? Vor ein paar Tagen habe ich einen Artikel gelesen, in dem die These aufgestellt wurde: „Platon’s Kugelmensch-Mythos ist falsch. Alleine die Gesellschaft würde uns nur weismachen wollen, dass wir alleine nicht perfekt wären und nach unserem besserem Gegenpart, von dem wir gespalten wurden, suchen müssen und ohne diesen auch nicht glücklich sein könnten.“ (Wenn hier jemand die Quelle kennt: Bitte melden). Dieser (feministisch geprägte) Artikel hatte mich ins Grübeln gebracht! Entschuldige, ich rede schon wieder um das Thema herum: Was ist der Sinn des Lebens? Wie erreiche ich dieses Glück/Zufriedenheit?

Gerade in der heutigen Zeit gibt es sicherlich mehr als das eine Gesellschaftsklischee (Beruf, Mann/Frau, Haus, Kinder, … wahlweise in anderer Reihenfolge), was dieses Lebensziel erfüllt. Doch wie sehen diese Alternativen aus? Oder anders herum: Bin ich der Typ Mensch, der sich bis ans Ende des Lebens an einen Menschen binden möchte oder gar kann?

Und an der Stelle wird es dann zurzeit wirklich dünn, denn ich weiß es nicht. Mir fehlt eine Perspektive, die mich von dem jetzigen Standpunkt in fünf oder 50 Jahren glücklich stimmt. Ich habe gerne eine Perspektive, doch genau die fehlt mir nun seit geraumer Zeit. Als Weltenbummler durch Teile des Weltgeschehens zu ziehen, Zeichen der eigenen Existenz zu hinterlassen kann es meines Erachtens genauso wenig sein, wie das Sammeln von Zehn-Millionen-Meilen bei einer Fluggesellschaft. Werte verschieben sich. Werte, die einst welche waren, werden von Teilen der Gesellschaft nur noch müde belächelt und verlieren an Bedeutung.

Romantisch kann ich behauten, dass mir das vorhin als Gesellschaftsklischee beschimpfte Konzept gefällt. Ich habe Hochachtung vor jedem, der sich in der heutigen Zeit noch zu seinem Partner bekennt, für den Werte wie Ehrlichkeit, Treue und Ziele nicht nur Lippenbekenntnisse sind (die wechseln wie Unterwäsche), sondern diese jeden Tag lebt; wenn sich hier zwei Partner entscheiden, ein (oder gar mehrere) Kinder zu bekommen und sich entschließen zusammen alt zu werden.

Eventuell leben wir viel zu gerne in der Unverbindlichkeit, denn diese wird niemals verbindlich. Sie bindet uns nicht und wir können auf einmal nicht mehr spielen, durch die Welt bummeln oder einen vermeintlich höheren Sinn suchen. Eventuell fehlt unserer Generation der Mut, sich zueinander zu bekennen, weshalb ich das folgende Zitat von Marion Mitchell Morrison aka John Wayne passend finde:

Courage is being scared to death but saddling up anyway.

Oder auf deutsch: „Mut ist, wenn man Todesangst hat, aber sich trotzdem in den Sattel schwingt.“

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