Wie klimafreundlich ist die E-Mobilität wirklich?

E-Mobilität oder nur ein Werbegack

In naher Zukunft rollen selbstfahrende Elektroautos lautlos, abgasfrei und ohne Stau auf den Straßen. Unfälle sind durch die aufeinander abgestimmten Fahrzeuge auch passé. Schlechte Luft (in Form von Feinstaub), Lärm und viel CO2 gibt es nicht mehr als Emission der Automobile. So zumindest die gängige Utopie zum Thema der zukünftigen individuellen E-Mobilität.

Doch aktuell werden sehr viele kontroverse Diskussionen geführt aus verschiedenen Standpunkten, keiner hat richtig Unrecht aber doch werden häufig Äpfel mit Birnen verglichen. Fakt ist: es kann so nicht bleiben. Es kann nicht die Lösung sein fossile Brennstoffe zu verheizen und dadurch die Luft mit mehr Feinstaub und CO2 zu belasten und den Treibhauseffekt zu fördern.

Wird alles besser, wenn wir Benziner/Diesel-Kfz durch E-Autos ersetzen?

Nein, das Problem ist weitreichender. Aktuelle Fahrzeuge mit Ottomotor sind schon mal recht effizient und mit neuer Technologie werden diese auch weiterhin effizienter. Die sog. „Road to 95“ beschreibt, wie Hersteller bis 2025 die nur 95g CO2/km erreichen wollen. Klar sind Leichtbau, Downsizing, Entdrosselung, Getriebeoptimierung, bedarfsorientierte
Nebenaggregate, eine optimierte Verbrennung und Reibleistungsreduzierung mögliche Antworten auf eine sauberere Zukunft. Doch wir müssen vor allem weg von 2,5 t schweren automobilen Ungetümen mit 500 PS oder gar mehr; wir brauchen weniger Kfz je Kopf. Der Bestand von Personenkraftwagen in Deutschland im Jahr 2017 beträgt ca. 45,8 Millionen (lt. Statista). Insbesondere in den Städten brauchen wir weniger Kfz, um das gigantische Aufkommen in den Griff zu bekommen und Staus zu eliminieren. Wir brauchen mehr Fahrgemeinschaften, mehr geteilte Kfz und mehr Arbeit vor Ort.

Was ist denn dann an E-Mobilität besser?

Zunächst mal ist das System einfach. Der Motor ist weitestgehend wartungsfrei, es gibt ein Minimum an Betriebsflüssigkeiten und Energie durch das Bremsen wird durch Rekuperation in großen Teilen wiedergewonnen und verpufft nicht in verschlissenen Bremsen und rot glühenden Bremsschreiben. Das spart nicht nur viel Energie, sondern verhilft dem E-Auto zu einer besseren Effizienz. Zudem laufen die Motoren von 0-X Umdrehungen und es wird kein variables Getriebe benötigt. Somit gibt es weniger Bauteile und man hat ein geringeres Fahrzeuggewicht.

Die Kraft eines E-Motors liegt ab der ersten Umdrehung zu 100% an. Ich benötige nicht erst 3.000 oder gar 6.000 Umdrehungen des Motors, bis der in Wallung kommt.

Nach Valentin Crastan hat ein Benzinfahrzeug einen durchschnittlichen Tank-to-Wheel-Wirkungsgrad von 20 %, womit bei einem Verbrauch von 6 Litern pro 100 km 52,6 kWh Energie aufgewendet werden müssen; die mechanische Nutzenergie beträgt dabei 10,5 kWh. Ein Elektrofahrzeug weist dagegen einen Wirkungsgrad von ca. 65 % auf, was einen Elektrizitätsverbrauch von 16 kWh/100 km ergibt. Andere Quellen gehen von bis zu 35 kWh/100 km für ein E-Automobil aus. Geht man hier natürlich wieder davon aus, dass es Reibungsverluste bei der Stromproduktion gibt, so ist das E-Automobil sogar deutlich klimaschädlicher, weil die 16-35 kWh nur 30-40% aus dem Kohlekraftwerk (KKW) sind.

Es gibt kein echtes Geräusch mehr vom Motor. Ein leichtes Surren wie in der Straßenbahn und schon ist man beinahe lautlos unterwegs. Natürlich lobe ich mir auch die Klänge eines 5, 6 oder 8-Zylinder-Otto-Motors, der quietschend über die Passstraße Richtung Gipfel stürmt. Ob ich abends im Bett gleiches Geräusch hören mag oder morgens so zur Arbeit in 10 km Entfernung fahren muss – vermutlich eher nicht.

Die nächste Generation der Assistenzsysteme (Lenkautomatik, Geschwindigkeitsregelung) unterstützt bei der Fahrt zur Arbeit und kann viele ggf. gefährliche Situationen entschärfen, Unfälle verhindern und den Fahrer entlasten bzw. ihm das Fahren sogar ganz abnehmen. Die Fahrzeit wird zur Freizeit.

Was will die Politik?

Runter von den bösen Schadstoffen. CO2 ist hier ein guter Indikator für die Politik, an dem die Fahrzeugindustrie gemessen werden kann. Die Regeln sind gemacht: Der Flottenausstoß (also der gemittelte Ausstoß aller neuen Fahrzeuge) darf im Jahr 2025 nicht höher als 95 g CO2 je Kilometer sein.

Daneben behaupten böse Zungen, dass die Politik eine boomende Fahrzeugindustrie fördert, denn hier und an den Zulieferern hängen eine Menge Arbeitsplätze und Kfz made in Germany sind auch ein Exportschlager mit über 200 Mrd. Euro je Jahr.

Was wollen die Fahrzeughersteller?

Die Regeln der Politik einhalten. Teilweise so sehr, das fröhlich geschummelt wird, wie „jüngst“ der Abgasskandal zeigte.

Ein besonderer Coup der Fahrzeughersteller war es dabei, die reinen Elektrofahrzeuge mit 0 g CO2 Ausstoß in der Politik durchzubekommen, die dann wieder in die Flottenbilanz eingezählt werden. Faktisch korrekt: Ein Elektromobil stößt nicht ein Gramm CO2 aus. Der Strom wird zumeist aber nicht CO2-neutral produziert, weshalb man das Problem nur von dem einen auf den nächsten Tisch geschoben hat.

Was wollen wir?

Als Verbraucher möchte ich natürlich irgendwie alles: günstige, individuelle, schnelle und saubere Mobilität. Die omnipräsente eierlegende Wollmilchsau.

Da es die bisher noch nicht gibt, benötigen wir einen guten Spagat aus allen Welten. Um so das Klima zu schützen, müssen die Autos elektrisch betrieben werden. Der dafür benötigte Strom darf jedoch nicht aus dem Kohlekraftwerk kommen, sondern muss klimafreundlich aus erneuerbaren Energien stammen. Autos müssen leichter werden, damit für E-Autos kleinere Akkus benötigt werden.

CO2-Bilanz vs. Akku eines E-Auto

Zum Thema Akku: Eine schwedische Studie hat vor kurzem erklärt, dass die CO2-Bilanz für den Tesla Model S erst nach acht Jahren besser ist als die eines herkömmlichen Verbrenners. Hintergrund ist der, dass bei der Herstellung der Lithium-Ionen-Akkus extrem viel CO2 (bis zu 17,5 t) anfällt. Auch wenn die Aussage sehr plakativ ist und die Medien so eine Headline erst einmal gerne bringen: Ein solcher Vergleich hinkt stark.

Grundsätzlich ist die Aussage richtig, gilt jedoch nur für die Produktion des Akkus. CO2-neutral hergestellt wird jedoch auch ein normaler Verbrennungsmotor nicht. Weiter kommt es darauf an, wo die Energie für die Produktion herkommt und was mit den Akkus nach dem Einsatz in einem Kfz passiert.

Ebenso kann gesagt werden, dass je kg Aluminium 16,1 kg CO2 freigesetzt werden und in einem Auto bis zu 600 kg Alu stecken.  So werden noch mal bald 10 t CO2 für das Grundmaterial freigesetzt aber das zählt niemand, denn es wird hinterher recycelt und weiterverwendet.

Zusammenfassung für E-Mobilität

Nein, ich bereue es nicht, mir einen Tesla bestellt zu haben. Ich werde mir vermutlich auch nicht die schwächste Variante des Kfz bestellen. Dafür liebe ich einfach eine Beschleunigung, die einen in den Sitz drückt. Ich werden jedoch den Strom entweder aus regenerativen Energiequellen beziehen oder diesen selber lokal, durch Photovoltaik, herstellen.

Wie ist deine Meinung zu dem Thema zukünftige Mobilität?

 

Kommentar verfassen